WORT ZUM SONNTAG
Immer wenn ich Schlittschuhläufer sehe, faszinieren mich die fließenden Bewegungen, Linien, Punkte und Kurven. Ab und an Unterbrechungen – Luftsprünge.
„Es gibt zielgerichtete Bewegungen, die die direkte, schnelle Verbindung zwischen zwei Punkten suchen. Es gibt Abweichungen vom schnellen Weg zum Ziel – Umwege, die sich aber ebenfalls von ihrem Ziel her bestimmen. Und es gibt Bewegungen, die sich nicht unter solche Kategorien oder Wertungen fassen lassen. Tanzen zum Beispiel“, meint Anselm Grün und zitiert den Benediktiner Steindl-Rast: „Schließlich tanzen wir ja nicht, um irgendwo hinzukommen.“
Wann haben Sie zum letzten Mal getanzt? Tanzen, einfach um zu tanzen. Mitmachen oder zuschauen: sei es Eislaufen, Staatsballett oder abends beim Ausgehen. Tanzen, um des Tanzens willen, ohne weiteren Sinn und Zweck.
War Tanzen in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit nicht völlig überflüssig?
Wir können im Tanzen die gemeinsame Bewegung genießen, die Welt vergessen. Im Tanzen eine gemeinsame Linie verfolgen – was statt durch Kontrolle ja viel leichter durch ein Sich-Loslassen und Sich-Einlassen geht (Anselm Grün). Ganz im Rhythmus, der Musik, im Augenblick aufgehen. Ganz in der Gegenwart sein, sich hingeben. So spüren sich Körper, Geist und Seele zusammen. In diesem Sinn hat Tanzen auch etwas Spirituelles.
Für unsere Gottesdienste wünsche ich mir das auch: Bewegung, Linien, Punkte, Zentrierung. Ab und an Unterbrechung im Alltag – vielleicht sogar Luftsprünge. Was brauchen Sie, damit im Gottesdienst die Seele in diesem Sinn „tanzen“ kann?
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Andreas Malessa (links) und Pfarrer Bernhard Richter (Mitte) verteilen beim Gottesdienst zum Valentinstagin der Stadtkirche rote Herzen. (Foto: Thomas Siedler)
Liebe, Sehnsucht und Segen
Aalen / pm Zu einem etwas anderen Gottesdienst hat gestern Abend die evangelische Kirchengemeinde in die Stadtkirche eingeladen. Im Rahmen des Jahres des Gottesdienstes sollte es wieder einmal einen Gottesdienst zum Valentinstag geben. Er werde immer ein bisschen belächelt, wenn er zu diesem Gottesdienst einlade, sagte Pfarrer Bernhard Richter in seiner Begrüßung. Aber er sei der Überzeugung, dass dieser Tag nicht nur den Floristen und dem Süßwarenhandel überlassen werden dürfe. Sondern die ganze Bibel sei eine einzige Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen und dieser Welt.
Als Pediger für diesen Abend konnte Andreas Malessa gewonnen werden, bekannt als Hörfunk- und Fernsehjournalist, in früheren Jahren auch als Sänger im Duo Arno & Andreas. Doch gestern sang er nicht, sondern sprach eine klare Botschaft von Liebe, Sehnsucht und Segen. Dabei ließ sich Andreas Malessa leiten von der Frage: ohne Liebe ist doch alles nichts, oder? Und dann ging es um alle nur denkbaren Themen: um den Reiz der ersten Liebe und den Schmerz der ersten Trennung, um das Glück einer erfüllten Ehe und die Kosten der Scheidung, um die Geborgenheit in einem eigenen Nest und die Mehrfachmühen in einer Patchwork-Familie, immer haben Menschen beides im Blick, wenn sich die Sehnsucht meldet. Eine überzeugende Predigt, die immer auch den Gottesbezug nicht aus den Augen verlor und die weit über den Valentinstag hinaus reicht.
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