Im Rahmen des Gottesdienstes zeigt Pfarrer Manfred Metzger (r.) die Arbeiten aus dem aktuellen Wochenend- und Familiencamp. Neben ihm Dekan Ralf Drescher und Rosemarie Löwisch, zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats. (Fotos: opo)
„Hier sind alle Kinder gleich“
Nach einem Gottesdienst im Grünen ist am Sonntag das neue Tagheim in Leinroden eröffnet worden
Jetzt ist es offiziell eröffnet, das neue evangelische Gemeinde- und Ferientagheim in Leinroden. Am Sonntag feierte die Kirchengemeinde Aalen den neuen Abschnitt in der 40-jährigen Geschichte des Waldheims in Leinroden mit Gottesdienst im Grünen, Diaschau, Grußworten und Spielstraße.
Ulrike Wilpert
Aalen/Leinroden. Es ist ein gelebtes soziales Miteinander, was die Kinder- und Jugendarbeit im Tagheim Leinroden seit Jahrzehnten auszeichnet. Am Sonntagmorgen feierte die evangelische Gesamtkirchengemeinde Aalen einen einzigen zentralen Gottesdienst: Beim neuen Tagheim in Leinroden zelebrierten abwechselnd mit Dekan Ralf Drescher Stadtkirchenpfarrer Bernhard Richter, die Pfarrer Manfred Metzger (Martinskirche), Marco Frey (Markuskirche) und Caroline Bender, Pfarrerin zur Anstellung, eine Kirche im Grünen.
Ein eigens bestellter Shuttlebus hätte die Gottesdienstbesucher aus Aalen eigentlich ins Leintal bringen sollen. „Aber das Busunternehmen hat uns im Stich gelassen“, bemerkte der Dekan nach dem letzten Zehn-Uhr-Glockenschlag des Kirchleins nebenan. Und so wurden kurzerhand Autos ausgesandt, um die Wartenden an den Aalener Haltestellen abzuholen. Gelebtes Miteinander eben.
Alsdann nahm Dekan Ralf Drescher das Mikro in die Hand und stellte fest: „Unser neues Tagheim ist fertiggestellt. Ein guter Grund, um Gott zu danken und zu loben.“ Das tat der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde auf musikalische Art und Stadtkirchenpfarrer Bernhard Richter in seiner Predigt. Den Tag der Eröffnung bezeichnete er darin als einen Tag der Freude in der 59-jährigen Gesamtgeschichte dieses Kinderferienangebots der evangelischen Kirchengemeinde. Es sei aber auch ein Tag der Dankbarkeit, weil viele seit dem Baggerbiss am 16. September vergangenen Jahres am Neubau mitgewirkt haben. „Mitarbeiter Gottes zu sein ist überhaupt etwas ganz Tolles“, schlug Richter eine Brücke zu seiner Predigt. Darin erinnerte er an das Fundament der Kirche, das längst gelegt sei. „Hier auf dem Gelände fragen wir nicht nach der Heimadresse der Kinder – ob vom Zochental oder vom Rötenberg – alle gehören hier zusammen.“ Das, so Richter, mache Hoffnung und befreie.
Zuvor hatte Pfarrer Manfred Metzger im grauen T-Shirt die Ergebnisse des gerade beendeten Wochenend- und Familiencamps vorgestellt: individuell und farbig gestaltete Bilder- und Bastelarbeiten, die die 15-jährige Geschichte des Familiencamps zum Thema machen.
Beinahe noch mitten in den Gottesdienst fiel das Grußwort Landrat Klaus Pavels, der bereits auf dem Sprung zum nächsten Termin war. Besonders hervor hob er das soziale Kompetenztraining im Kindertagheim Leinroden, eingebettet in eine gute Atmosphäre und eine liebevolle Betreuung der Kinder „ganz gleich, welcher Herkunft“. Ein Kompliment machte der Landrat dem Architekten Axel Schmid für die „wunderschöne Anknüpfung“ des Neubaus an das bestehende Ensemble mit dem alten Schulhaus und der Kirche. Und die evangelische Kirchengemeinde würdigte Pavel für ihre Investition in Zeiten, in denen Kreis, Kommune und Kirchen über Schließung und Verkauf von Immobilien nachdenken. „Sie dagegen haben sich für eine Zukunftsinvestition entschieden. Sie investieren in die Zukunft der Kinder.“
Drinnen, im neuen Veranstaltungsraum, weckte Ferienwaldheim-Leiterin Hanna Fischer mit einer Diaschau Erinnerungen an alte Zeiten des Kindertagheims, das in den 60er Jahren noch im Aalener „Gütle“ war. Die Stuttgarter Diakonie-Dekanin Wiebke Wähling überreichte zusammen mit Uli Seegers von der Waldheim AG Stuttgart eine neue Gitarre. Diesen Rahmen nutzte Abtsgmünds Bürgermeister Armin Kiemel, um der evangelischen Kirchengemeinde einen „kleinen Obolus“ der Gemeinde Abtsgmünd zu überreichen. „Ich freu’ mich riesig, dass sich die evangelische Kirchengemeinde Aalen dazu durchringen konnte, den finanziellen Kraftaufwand zu riskieren“, kommentierte er die Übergabe. Ebenfalls einen Scheck (1000 Euro) dabei hatte Architekt Axel Schmid, der den Neubau samt Akustikdecke, Dachbegrünung, ballsicherer Verglasung, Fußbodenheizung und behindertengerechten WCs vorstellte. Einen Gruß der Stadt Aalen und in Vertretung OB Martin Gerlachs übermittelte Franz Wiedenhöfer, Leiter des Sozialamts.
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Dekan Ralf Drescher (rechts) und Vertreter der Diakonie (v. l.): Gisela Graf-Fischer (Samariterstiftung), Erhard Beck (Diakonie Stetten), Jürgen Reimann (Betreuungsverein Ostalbkreis), Karen Zoller (Evangelische Heimstiftung Kloster Lorch) und Sabine Domhan (Blindenheim Schwäbisch Gmünd) präsentieren ein neues Faltblatt „Diakonie im Landkreis“. Damit soll jeder Überblick über die Partner der Diakonie im Ostalbkreis haben – stets parat, weil in Hosentaschenformat. (Foto: Oliver Giers)
Diakonie lebt Inklusion das ganze Jahr
„Woche der Diakonie“ ruft zur Menschlichkeit auf – Neues Faltblatt zeigt die Anlaufstellen im Ostalbkreis
„Lass uns Freunde sein“ ruft das Plakat zur Woche der Diakonie auf. Die ist von Sonntag, 26. Juni, bis Sonntag, 3. Juli. Passend dazu präsentiert der Diakonie Kreisverband Ostalb ein neues Faltblatt. Darin finden sich alle Partnereinrichtungen auf einen Blick.
Benjamin Leidenberger
Aalen/Ostalbkreis. „Wir wollen als Kirchengemeinde Chancenorte bilden, wo Barrieren abgebaut werden“, sagt Ralf Drescher, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks. Es sei Aufgabe der Gesellschaft keinen Menschen an den Rand zu drängen – ob alt, schwach oder gehandicapt. Deshalb bildet die Diakonie im Landkreis ein starkes Netz solcher Orte. Auch das Motto der Woche der Diakonie macht klar: „Menschlichkeit braucht Ihre Unterstützung“.
Wie dicht das Netz der Anlaufstellen von Neresheim bis Lorch, von Oberkochen bis Ellwangen ist, wird im neuen Faltblatt der Diakonie ersichtlich. Dort sind alle Partner mit Kontaktdaten hinterlegt. „In einem Format, dass in jede Hosentasche passt“, sagt Drescher.
„Diakonie ist Menschlichkeit miteinander und füreinander“, sagt Karen Zoller, Heimleiterin des Altenheims Kloster Lorch. Ihre Einrichtung ist Teil dieses Trägernetzes, das Inklusion vorleben will. Das passiert beispielsweise in Außenwohngruppen für Menschen mit Behinderung, wie sie die Samariterstiftung in Neresheim, Bopfingen und Aalen oder die Diakonie Stetten anbieten. „Wir wollen Ängste, Unsicherheiten und Vorurteile abbauen“, sagt Gisela Graf-Fischer, von der Samariterstiftung.
Dekan Drescher dankt den Partnern der Diakonie: „Hier erlebt man Inklusion über das ganze Jahr. Nur so funktioniert sie auch.“ Die Woche der Diakonie begleiten viele Gottesdienste in den Einrichtungen. Das Faltblatt liegt in den Pfarrämtern und der Geschäftsstelle der Diakonie aus
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Die oberste Sprosse ist erklommen, der Neubau steht. Das Bild zeigt v.l. Architekt Axel Schmid, Pfarrer Bernhard Richter, Dekan Ralf Drescher, Rosemarie Löwisch und Regina Schlipf, stellvertretende Kirchenpflegerin. (Foto: Peter Hageneder)
Jetzt Tagheim und Veranstaltungsort
Der Neubau des evangelischen Gemeinde- und Ferientagheims in Leinroden steht – Eröffnung Sonntag, 26. Juni
Das Strahlen auf ihren Gesichtern bleibt. Ist nachhaltig. Trotz Regens und grau-verhangenem Himmel am Montag. Dekan Ralf Drescher und Stadtkirchenpfarrer Bernhard Richter können endlich ein langes Kapitel in der Geschichte der Kirchengemeinde Aalen erfolgreich abschließen: den Neubau des Ferientagheims Leinroden. Offizielle Eröffnung ist am Sonntag, 26. Juni.
Ulrike Wilpert
Aalen/Leinroden. Eigentlich müsste die Sonne strahlen bei der Eröffnungsfeier für das neue evangelische Gemeinde- und Ferientagheim in Leinroden am kommenden Sonntag. Denn für das Foto erklommen Architekt Axel Schmid, Pfarrer Bernhard Richter und die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Rosemarie Löwisch, die höchsten Sprossen der Leitern an der neuen Fassade des Ferientagheims. „Evang. Gemeinde- und Ferientagheim“ steht über ihren Köpfen und weist hin auf Sinn und Zweck des Neubaus.
„Das neue Haus soll bewusst nicht nur ein Ferientagheim für nur vier Wochen im Jahr sein“, betont Dekan Ralf Drescher. Hier sollen künftig auch Veranstaltungen möglich sein wie Urlaub ohne Koffer für Senioren, Gemeindefeste, Tagungen oder innerkirchliche Fortbildungen. Auch an eine Vermietung des Veranstaltungsorts beispielsweise an Firmen, ist gedacht. Eine Wlan-fähige EDV-Anlage ist installiert, Beamer seien vorhanden.
„Man kann sich jetzt wieder trauen, das alles hier anzubieten“, ergänzt Rosemarie Löwisch. Sie erinnert an den maroden alten Bau, an den äußerst mangelhaften Zustand der sanitären Anlagen, die Eltern der Ferienkinder regelmäßig „zu Recht“ kritisiert hatten.
Und so lobt Ralf Drescher die Entscheidung zum Neubau im vergangenen Jahr auch als richtigen Schritt, als eine „überreife Entscheidung“. In den Augen Rosemarie Löwischs setzt der Neubau entgegen dem aktuellen Trend zur Schließung von Kircheneinrichtungen, ein positives Signal für die Gemeinde.
Architekt Axel Schmid beschreibt das neue Haus als freundlichen Bau mit viel Glasfläche und Bezug zur Natur. Das benachbarte alte Hausmeisterhaus mit bestehender Küche ist barrierefrei über eine Überdachung an den Eingang des Ferientagheims angebunden. Die überdachte Freifläche mit rund 200 Quadratmetern bietet den Gästen Schutz vor Regen und Hitze. Die Nutzfläche des Hauses mit 380 Quadratmetern entspricht etwa dem Umfang der alten Fläche.
Die Bausumme von rund 600 000 Euro liege im Plan, erläuterte die stellvertretende Kirchenpflegerin Regina Schlipf. Sie rechnet mit Zuschüssen der Landeskirche von knapp 100 000 Euro sowie vom Kirchenbezirk (12 000 Euro). Der Finanzierung des neuen Tagheims kommt nun zugute, dass die Kirchengemeinde im Laufe der langen Planung innerhalb der vergangenen zehn Jahre für den Neubau Rücklagen von über 200 000 Euro gebildet habe. Allein über Spenden seien 112 000 Euro hereingekommen.
Jetzt fehlt nur noch eine neue Möblierung. Die, so Regina Schlipf, soll nach und nach ergänzt werden.
Zur Finanzierung der Möblierung bittet die evangelische Kirchenpflege um weitere Spenden: KSK Ostalb, Kto: 110 002 156, BLZ 614 500 50, Stichwort: Neubau Leinroden.
Gemeinde- und Ferientagheim
Das Ferientagheim gibt es seit 1952, damals noch im Gütle in der Aalener Jahnstraße. 1970 erfolgte der Umzug nach Leinroden, wo die Kirchengemeinde Aalen das stillgelegte Schulhaus gekauft hatte.
Eröffnung des Neubaus ist am Sonntag, 26. Juni, mit Diaschau, Grußworten, Mittagessen und Spielstationen. Um 10 Uhr findet hier der Gottesdienst der Gesamtgemeinde statt. Ein Shuttle-Service ist eingerichtet. Abfahrten: 9.15 Uhr Martinskirche, 9.25 Uhr Torplatz, 9.35 Markuskirche. Die Rückfahrt in Leinroden ist um 15 Uhr.
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Das Pfarrehepaar Albrecht und Ulrike Nuding verlässt Oberkochen und fängt in Schönaich (Kreis Böblingen) neu an. (Foto: ls)
Engagierte und gute Seelsorger
Es ist amtlich: Am 24. Juli wird das Oberkochener Pfarrehepaar Albrecht und Ulrike Nuding offiziell verabschiedet
Viele Gottesdienstbesucher waren bestürzt, nicht wenige hatten die Nachricht auch schon auf der Homepage der Schwäbischen Post gelesen: Albrecht und Ulrike Nuding verlassen Oberkochen.
Lothar Schell
Oberkochen. „Es ist alles blitzschnell gegangen. Ende Mai habe ich mich auf die Stelle als geschäftsführender Pfarrer in Schönaich-Süd beworben“, so Pfarrer Albrecht Nuding zu dieser Zeitung. Seine Frau, Pfarrerin Ulrike Nuding, werde sich zunächst einmal beurlauben lassen.
Vor zwei Wochen besuchten Vertreter der Kirchengemeinde Schönaich den Gottesdienst in der Versöhnungskirche und das „Ja“ kam unverzüglich. Pfarrer Nuding verzichtete beim Pfingstmontaggottesdienst auf das Verlesen einer offiziell vorbereiteten Erklärung und band dafür seinen Wechsel in die Predigt mit einem Text aus dem Johannes-Evangelium ein, der sich mit den „Abschiedsreden Jesu“ beschäftigt. Jesus Christus habe sich von seinen Jüngern verabschiedet auf dem Weg ans Kreuz und diese seien voll Trauer gewesen. „Weggehen tut immer weh und so wird es auch sein, wenn wir im Sommer Oberkochen verlassen werden“, meinte Nuding. Bei Jesus Christus sei dies allerdings viel schwieriger gewesen, da sich seine Jünger mit Haut und Haaren auf ihn eingelassen hätten.
„Bei Jesus Christus ist das Weggehen ein Neubeginn gewesen, der Beginn einer neuen Gemeinschaft“, erklärte Albrecht Nuding in seiner Predigt. Eine möglichst schnell anzubahnende Gemeinschaft mit einem neuen Pfarrer wünschte er seiner Oberkochener Kirchengemeinde. Der Kirchengemeinderat hoffe, dass bis September eine Entscheidung fallen könne, aber es werde wohl – wenn man realistisch sei – bis Ende des Jahres dauern.
„Es ist vom Oberkirchenrat festgelegt, dass Geistliche nicht zu lange an einem Ort bleiben sollen“, meinte Heinrich Solterer. Die Arbeit der Nudings habe Wurzeln geschlagen, in Sachen Ökumene sei viel bewirkt worden. Solterer zitierte die vielen Baumaßnahmen und „ein überaus großes Identifikationsniveau mit der Kirchengemeinde.“
Für die Kirchengemeinde sei der Weggang ein schmerzlicher Verlust. Für den evangelischen Posaunenchor sei der Weggang „eine mittlere Katastrophe“, schließlich hätten drei der vier Kinder des Pfarrehepaars im Posaunenchor gespielt, meinte Erwin Kirn, seit 50 Jahren Bläser in Oberkochen. Im Posaunenchor bewege man sich nun an der Schmerzgrenze.
„Ein echter Seelsorger geht von Bord“, setzte Kirn hinzu. Mit Albrecht und Ulrike Nuding sei 1998 eine andere Art von Kirchenleitung eingekehrt, Oberkochen habe mit dem Projekt „Aufbruch“ und seinem Leitbild hineingestrahlt in die Landeskirche, erklärte der langjährige Kirchengemeinderat Herbert Hahn. Die Nudings hätten das „Gebäude Kirche“ auf eine breite Basis gestellt und eine hervorragend funktionierende Ehrenamtskultur geschaffen.
„Ich war überrascht, dass es so schnell ging, war mir aber seit längerem bewusst, dass die Nudings noch einmal was Neues anpacken werden“, betonte Mesner Gottfried Grimme. Albrecht und Ulrike Nuding hätten Vorzeigarbeit geleistet und hinterließen eine intakte Gemeinde mit selbstbewusst und selbstständig wirkenden Gruppierungen. „Die Gemeinde ist nun aber auch gefordert, Neues zuzulassen, wenn die Pfarrstelle wieder besetzt wird“, blickte Grimme in die Zukunft. Dem Projekt „Aufbruch“ müsse Aufbruchstimmung folgen.
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Dekan Ralf Drescher hat beim Redaktionsbesuch dieser Zeitung Aufgaben und Herausforderungen skizziert. (Foto: Oliver Giers)
Kirche soll sich einmischen
Dekan Ralf Drescher zu Gast in der SchwäPo-Redaktion
Er ist locker, offen, herzlich. Und er ist angekommen in Aalen. Hier in der Region will der neue Dekan die Kirche in der Gesellschaft fest verankern und stärken. Das macht Dekan Ralf Drescher bei seinem Besuch der SchwäPo-Redaktion deutlich.
Ulrike Schneider
Aalen. Vor einem Monat ist Ralf Drescher feierlich in sein Amt als evangelischer Dekan eingeführt worden. „Inzwischen bin ich mit meiner Familie hier angekommen“, sagt der vierfache Familienvater. In dieser Zeit sei er schon viel im Kirchenbezirk herum gekommen.
Dabei macht er aus seinen Vorstellungen kein Hehl: Aufgabe der evangelischen Kirche sei es, die Gesellschaft zu überzeugen und in ihr Kirche zu verankern. „Wir müssen den offenen Dialog pflegen, uns aktiv einbringen und uns gegebenenfalls einmischen“, sieht Drescher die Herausforderungen neben der Seelsorge. Sein Anliegen ist es, die Kirche lebendig werden zu lassen und in der Gesellschaft zu stärken.
Er habe in den vergangenen vier Wochen die Menschen in der Region als offen und liberal kennengelernt. „Für mich sind Offenheit, Liberalität und Wertkonservativismus keine Gegensätze“, erklärt der 49-Jährige. Er stelle fest, je älter er werde, desto konservativer werde er. Das halte er für gut, schließlich seien Werte und Traditionen etwas Verlässliches.
Und das Wort Gottes ist ihm Basis. „Dem ordne ich mich unter; das Wort Gottes ist absolut“, sagt er. Dennoch gelte es, alles zu prüfen, zu hinterfragen und das Gute zu behalten. „Wir müssen das Wort auslegen in großer Verantwortung vor Gott und den Menschen“, betont Drescher, dessen Elternhaus ihn volkskirchlich geprägt hat. Dabei sei es sein Ziel, für jedes Schicksal einen individuellen Weg aufzuzeigen. Er wolle das „Wort“ in die Gemeinde tragen.
Doch zeigt sich Drescher aufgeschlossen für Neues. Etwa in Form von modernen Liedern, die junge Menschen an den Gottesdienst binden. Zudem habe die Gemeinde in Aalen mit der Kantorei und Kirchenmusikdirektor Thomas Haller ein wahres Pfund. So ließen sich Kirche, Kultur und Gesellschaft miteinander optimal verweben. Anknüpfungspunkte gebe es genug; etwa auch bei der Erwachsenenbildung.
Seine Stärken als Netzwerker will er zudem beim Thema Armut einsetzen. „Das lässt mich nicht los“, sagt er. Ebenso wie die Ökumene, die er auf die Weltreligionen bezieht. Hier gelte es auszuloten, wo die Grenzen liegen und sich aufeinander zu zubewegen – im Interesse der Völkerverständigung, des Weltfriedens und der Bewahrung der Schöpfung.
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Insgesamt 40 Urnen-Grabstellen hält der Friedhof der katholischen Kirchengemeinde Wört bereit. (Foto: Klemm)
Dem Trend nicht verschließen
Wörter Kirchengemeinden lassen Urnengrabfelder auf ihren Friedhöfen entstehen
Auch in Wört gibt es Bedarf und den Wunsch nach modernen Urnenbestattungsformen. Die Kirchengemeinden tragen dem nun mit dem Anlegen von Urnengrabfeldern Rechnung.
ACHIM KLEMM
Wört. Immer mehr Bürger verlangen nach dieser Art von Bestattung. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Urnengräber sind günstiger als herkömmliche Erdgräber, weil sie deutlich kleiner sind, und verursachen auch weniger Kosten in der Pflege. Wenn keine Angehörigen mehr da sind, die sich um die Pflege der Gräber kümmern können, ist dies ein weiteres Argument, das für die Urnenbestattung spricht.
Die Katholische Kirchengemeinde Wört hat jetzt 40 Urnengrabstellen auf dem Wörter Friedhof anlegen lassen, die auf fünf Felder verteilt sind. Die Firma FH Pflasterbau aus Dürrenstetten hat die Bauarbeiten übernommen, sowie engagierte Wörter Bürger, die sich ehrenamtlich mit ihrer Arbeit einbringen. Die Fundamente wurden bereits gesetzt, Granitplatten umrahmen die Urnenfelder. Die Gemeinde trägt maximal 50 Prozent der Baukosten als Zuschuss. In den Sommerferien sollen die Arbeiten am Friedhof abgeschlossen sein.
Fünfzehn Urnengrabstellen legt die Evangelische Kirche Wört auf ihrem Friedhof an. Geplant ist, mit den entsprechenden Arbeiten noch in diesem Jahr zu beginnen. So hat die Gemeinde Wört für die Zukunft ausreichend vorgesorgt und kann den Bedarf an Urnenbestattungen auf viele Jahre hinaus decken. Bürgermeister Thomas Saur freut sich, dass beide Kirchengemeinden jetzt Initiative zeigen, die Zeichen der Zeit erkannt haben und Wört sich dem Trend Urnenbestattung nicht verschließt. „Dies ist ein Weg den Wört gerne mitgeht“, sagt Bürgermeister Saur.
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