Juli 2016: Nähe – Fremdheit, Vertrautheit – Irritation: Besuch einer Delegation aus Ghana zum 20-jährigen Jubiläum der Partnerschaft

Im Gottesdienst, beim Orgelnachspiel. Sechs Ghanaer stehen vor dem Altar der Evangelischen Stadtkirche in Ellwangen, den Blick erwartungsvoll auf die Orgelempore gerichtet. Niemand steht auf. Was haben sie vor? Was kommt jetzt? Das Nachspiel endet. Sie fangen an zu singen. Ein Choral in der Landessprache Twi, der uns als Zuhörern merkwürdig vertraut vorkommt: „Preisend mit viel schönen Reden“ – sie singen die Schwabenhymne!

Einer von vielen Momenten, in denen Nähe und Vertrautheit und gleichzeitig Irritation und Fremdheit ganz nah beieinander lagen. Diese beiden gegensätzlichen Erfahrungen prägten den 14-tägigen Besuch der ghanaischen Delegation anläßlich des 20-jährigen Jubiläums der Partnerschaft.

Der Höhepunkt des Besuchs war dabei der Festgottesdienst mit der gemeinsamen Abendmahlsfeier Eindrücklich wurde in dieser Feier das Einssein in Christus über alle Unterschiede hinweg erfahrbar.
Außerdem war die gemeinsame Zeit davon geprägt, den ghanaischen Gästen die Arbeit im Kirchenbezirk und die Strukturen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg vorzustellen und verständlich zu machen.

So besuchten wir z.B. das Konficamp der Region Ost in der Stockensägmühle. Dort nutzten vor allem die Konfirmandinnen die Chance, sich von Matilda und Josephine afrikanische Zöpfchen flechten zu lassen. Geduldig beantworteten die beiden Frauen nebenher die vielen Fragen zum alltäglichen Leben in Ghana.

Weitere Möglichkeiten zur Begegnung gab es beim Gemeindefest in Lauterburg, beim Pfarrkonvent auf dem Hesselberg, beim Schulfest und beim Schulgottesdienst des Ellwanger Peutinger–Gymnasiums und beim Oberkirchenrat in Stuttgart.

Erstaunt war die Delegation bei einem Besuch in der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge Ellwangen vom komplizierten Asylverfahren in Deutschland, beeindruckt vom kirchlich diakonischen Engagement in der Flüchtlingsarbeit. 

Von den vielen fremden Eindrücken konnten sich unsere Freunde aus Akyem Abuakwa in ihren Gastfamilien ausruhen. Die Gastgeber und die Mitglieder des Partnerschaftsausschusses trugen viel dazu bei, die neuen Eindrücke einzuordnen und zu reflektieren.

Unsere ghanaischen Freunde sind wieder gut zu Hause angekommen. Gern wüssten wir, welche Gedanken ihnen noch durch den Kopf gehen und welche Erlebnisse in ihnen nachklingen.

Uta Knauss und Eva Schuster