Auf Augenhöhe - unsere Partnerschaft mit Ghana

Partnerschaft zwischen dem Evangelischen Kirchenbezirk Aalen und dem Akyem Abuakwa Presbytery (Presbyterian Church of Ghana)

Partnerschaft auf Augenhöhe heißt: Wir setzten auf Begegnung: Alle zwei Jahre finden im Wechsel zwischen Ghana und Deutschland Workshops statt, die die Begegnung einer gleichen Anzahl von Teilnehmern aus Ghana und Deutschland ermöglichen.

Wir glauben, dass Europäer und Afrikaner, Männer und Frauen, jung und alt voneinander lernen können. Wir sind überzeugt, dass es trotz aller Ungleichheit besonders auch wirtschaftlicher Art in einer echten Partnerschaft ein beidseitiges Geben und Nehmen geben muss.

Mit unseren Workshops ist es uns gelungen, diesen Gedanken zu verwirklichen. Natürlich sind auch wir auf Spenden für unsere Partnerschaftsarbeit angewiesen; aber der Geldtransfer von Nord nach Süd zu welchem Zweck auch immer spielt bei uns keine Rolle.

Ansprechpartnerin: Pfarrerin Uta Knauss

Pfarramt Ellwangen III
Eugen-Bolz-Str. 11
73479 Ellwangen
Telefon: 07961/5657312
E-Mail: pfarramt3@kirche-ellwangen.de

Besuch in Ghana 2019 - Neue Perspektiven für die Partnerschaft mit Akyem Abuakwa

Mit Spannung und einigen Fragen im Gepäck reiste Anfang September eine dreiköpfige Delegation (Pfr. Uta Knauss, H. Menzel, E. Schuster) nach Ghana. Eingeladen hatte uns die neue Chairperson des Bezirks Akyem Abuakwa, Rev. Dr. Seth Kissi, der im Januar 2019 offiziell in sein Amt eingeführt worden war.

Nach dem Besuch einer Delegation aus Ghana im Juli 2016 in Aalen war der Kontakt nahezu abgerissen, u.a. weil sich die damalige Chairperson, Edward Ansa Peasa, von einem schweren Unfall nur schwer erholte. Und so standen die Begegnung und Verbesserung der Kommunikation neben Fragen nach dem vom Kirchenbezirk, der Stadt und dem Landkreis Aalen maßgeblich unterstützten Öko-Projekt, der Verwendung der transferierten Spendengelder und der Zukunft der Partnerschaft im Vordergrund unseres Besuches.

Im Zusammenhang mit dem dem Workshop „God`s own creation“ im Jahr 2014 hatte die Presbyterianische Kirche in Akyem Abuakwa ein Pilotprojekt zur Rekultivierung einer zerstörten Landfläche bei Kyebi ins Leben gerufen. Ganze Landstriche wurden und werden noch immer in der Region von illegalen Goldsuchern durchwühlt und verseucht. In verschiedenen Projektphasen sollten zunächst die tiefen Löcher verfüllt, die Flächen wieder begradigt und dann mit einheimischen Bäume bepflanzt werden. Bei einer Besichtigung des entsprechenden Geländes konnten wir feststellen, dass die Fläche zwar verfüllt und eingeebnet wurde, so dass eine landwirtschaftliche Nutzung wieder möglich ist. Allerdings war auch deutlich zu sehen, dass der illegale Goldabbau im gleichen Gebiet weitergeht. Die ghanaischen Partner erklärten uns, sie hätten aus diesem Grund ihre Bemühungen um Rekultivierung dieses Gebietes eingestellt, zumal auch die Besitzverhältnisse unklar seien, so dass den Goldgräbern kein Einhalt geboten werden könne.

Statt dessen haben die ghanaischen Partner ein alternatives Projekt beschlossen und damit begonnen, es umzusetzen: So sollen mehr als 10 000 Bäumen z.B. Akazien, auf den gemeindeeigenen Grundstücken der Akyem Abuakwa Presbytery in nächster Nähe zu den Gebäuden gepflanzt werden. Während unseres Aufenthalts konnten wir in unserer Unterkunft die Vorteile einer solchen Maßnahme hautnah erleben: Die Gebäude sind durch die Baumkronen vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt und bleiben auch bei großer Hitze angenehm temperiert. Aber auch bei Wind und Wetter sind v.a. die Dächer den starken Kräften weniger ausgesetzt. Dass dieses Projekt Pilotcharakter hat und einem wachsenden ökologischen Bewusstsein entspricht, wird daran deutlich, dass die ghanaische Presse und das Fernsehen ausführlich darüber berichtet haben.

Bei der konkreten Umsetzung des Projekts konnten wir dann auch mit Hand anlegen und pflanzten jeweils einen Baum vor dem alten Missionshaus in Kyebi.

Ein weiteres Anliegen unseres Besuches war zu sehen, wie die Spendengelder des Kirchenbezirks aus den Jahren 2015 und 2016 verwendet worden waren. Der Kirchenbezirk Akyem Abuakwa hat davon einen Kleinbus angeschafft, der von allen Gruppen und Kreisen genutzt wird. Diesen bestiegen dann auch gleich die Mitglieder des Regional Councils, um mit uns das Gelände des Öko-Projekts zu besichtigen und anschließend zum gemeinsamen Mittagessen zu gelangen.

Viele Überlegungen gab es auch zur Weiterentwicklung der Partnerschaft: So soll der 25. Geburtstag unserer Partnerschaft 2021 mit einem Besuch in Ghana gefeiert werden, zu dem Dr. Kissi herzlich einläd. Wie auch in der Vergangenheit sollen die interkulturelle Begegnung und die ökumenische Perspektive dabei im Mittelpunkt stehen.

Außerdem bat uns Kissi, den Bezirk beim Aufbau eines Museums zur Geschichte des Bezirks seit der Gründung durch Baseler Missionare fachlich zu unterstützen, z.B. durch Kontakte zur Basler Mission. Eine Bitte, der wir als Partnerschaftsausschuss gerne nachkommen. Wir sind beeindruckt, wie in diesem Vorhaben das wachsendes Bewusstsein für die eigene Geschichte zum Ausdruck kommt

Diese Besinnung auf prägende Ereignisse in der Vergangenheit wurde dann auch greifbar am „Honours Day“, an dem wir teilnehmen konnten und der zum unbestreitbaren Höhepunkt unseres Besuches wurde. Gekleidet in ghanaische Festgewänder feierten wir einen zutiefst bewegenden Festgottesdienst mit, in dem sieben verstorbene Ghanaer geehrt wurden, die die Kirchengemeinde und Gesellschaft in besonderer Weise geprägt haben. Familienangehörige trugen die oft bewegten Lebensgeschichten ihrer Verstorbenen vor, der ghanaische Staatspräsident, Nana Addo Dankwa Akufo-Addo, und der Okyenhene (König der Region), Ofori Panin, sprachen Grußworte, das Oberhaupt der Presbyterian Church of Ghana, Moderator Mante, hielt die Predigt. Pfarrerin Knauss überbrachte Grüße aus Aalen und meisterte die Aussprache der ghanaischen Namen so souverän, dass sie begeisterten Zwichenapplaus erhielt. Ein sintflutartiger Wolkenbruch begleitete die sich anschließende Zeremonie auf dem alten Basler Missionsfriedhof, in der die restaurierten Gräber der Geehrten gesegnet wurden, so dass wir durchnässt bis auf die Haut zum Mittagessen in den Königspalast gingen, wohin der Chief alle zum Mittagessen eingeladen hatte.

Dankbar für diese besonderen Erfahrungen, die warmherzige Begegnung und die neuen Impulse während dieses Besuchs sind wir nun gespannt, wie sich die Partnerschaft in den nächsten Jahren weiter entwickeln wird. (Eva Schuster)

Hier finden Sie weitere Fotos und der Bericht vom Besuch der Ghanaer im Sommer 2016 im Kirchenbezirk Aalen.

Unser Besuch im Jahre 2014 in Ghana